Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Lärmschwerhörigkeit entsteht durch langfristige oder wiederholte hohe Schallbelastungen und entwickelt sich häufig schleichend über viele Jahre.
  • Typischerweise sind zunächst höhere Frequenzen betroffen, wodurch insbesondere das Verstehen von Sprache schwieriger werden kann.
  • Anzeichen können undeutliche Sprache, Probleme bei Gesprächen mit Hintergrundgeräuschen, häufiges Nachfragen und eine zunehmende Hörermüdung sein.
  • Dauerhaft geschädigte Sinneszellen im Innenohr können sich normalerweise nicht erholen, individuell angepasste Hörgeräte können jedoch dabei helfen, die vorhandene Hörfähigkeit bestmöglich zu nutzen.

Was ist eine Lärmschwerhörigkeit?

Eine Lärmschwerhörigkeit ist eine Hörminderung, die durch eine langfristige oder wiederholte Belastung mit hohen Schallpegeln entsteht. Medizinisch handelt es sich dabei meist um eine Schallempfindungsschwerhörigkeit, auch Innenohrschwerhörigkeit genannt.

Im Innenohr befindet sich die Hörschnecke, die sogenannte Cochlea. In ihr sitzen empfindliche Haarzellen, die Schallwellen in elektrische Signale umwandeln. Über den Hörnerv gelangen diese Signale anschließend zum Gehirn, wo sie verarbeitet werden.

Starker oder lang anhaltender Lärm kann die Haarzellen dauerhaft schädigen. Einmal zerstörte Haarzellen wachsen beim Menschen nicht einfach nach. Hat sich durch jahrelange Lärmbelastung ein dauerhafter Hörverlust entwickelt, bleibt dieser daher in der Regel bestehen.

Oft entwickelt sich eine Lärmschwerhörigkeit schleichend. Betroffene gewöhnen sich an die Veränderungen und bemerken mitunter erst spät, wie stark ihr Hörvermögen bereits nachgelassen hat.

Wie entsteht eine lärmbedingte Schwerhörigkeit?

Berufsbedingte Schwerhörigkeit

Nicht jedes laute Geräusch führt automatisch zu einer dauerhaften Lärmschwerhörigkeit. Entscheidend ist vor allem, wie laut ein Geräusch ist, wie lange und wie häufig das Gehör ihm ausgesetzt wird und wie empfindlich das eigene Gehör auf die Belastung reagiert.

Besonders gefährdet sind Menschen, die regelmäßig in einer lauten Umgebung arbeiten. Dazu gehören beispielsweise Beschäftigte in:

  • Industrie und Produktion
  • Metallverarbeitung
  • Baugewerbe
  • Landwirtschaft
  • Straßenbau
  • Maschinenbau
  • Holzverarbeitung
  • Veranstaltungstechnik
  • Musik- und Unterhaltungsbranche
  • Flughäfen und Verkehrsbetrieben

Doch auch außerhalb des Berufs kann eine hohe Schallbelastung entstehen. Sehr laute Musik über Kopfhörer, regelmäßige Konzert- oder Clubbesuche, Motorsport, Schießsport oder der häufige Einsatz lauter Maschinen können das Gehör ebenfalls belasten.

Dabei spielt die gesamte Lärmdosis eine wichtige Rolle. Je höher der Schallpegel ist, desto kürzer sollte das Gehör dieser Lautstärke ohne ausreichende Erholungsphasen ausgesetzt sein. Wiederholt sich eine starke Belastung über einen längeren Zeitraum, können dauerhafte Hörschäden entstehen.

Auch einzelne, extrem laute Ereignisse können das Gehör akut schädigen. Solche Hörschäden werden jedoch häufig von der klassischen Lärmschwerhörigkeit unterschieden, die sich typischerweise über Jahre entwickelt. Bei einer dauerhaften Hörminderung können Hörgeräte je nach Ausprägung dabei helfen, das Hören im Alltag zu unterstützen.

Welche Frequenzen sind bei einer Lärmschwerhörigkeit betroffen?

Ein typisches Merkmal der Lärmschwerhörigkeit ist, dass nicht alle Tonhöhen gleichermaßen betroffen sind. Im frühen Stadium zeigt sich bei einem Hörtest häufig eine Verschlechterung im Bereich der höheren Frequenzen. In der Audiometrie, also der Messung des Hörvermögens, kann dabei eine charakteristische Absenkung entstehen, die gelegentlich als Lärmsenke bezeichnet wird.

Gerade die höheren Frequenzen sind für das Sprachverstehen besonders wichtig. In diesem Bereich liegen viele Konsonanten wie „s“, „f“, „sch“, „t“, „k“ oder „h“.

Werden diese Sprachbestandteile schlechter wahrgenommen, hören Betroffene häufig noch, dass jemand spricht, können einzelne Wörter aber nicht mehr eindeutig verstehen.

Dadurch werden ähnlich klingende Wörter leichter verwechselt. Auch Gespräche mit Frauen oder Kindern können schwieriger zu verstehen sein, da ihre Stimmen meist höhere Frequenzanteile enthalten.

Mit zunehmender Hörschädigung können schließlich weitere Frequenzbereiche betroffen sein. Bei einer entsprechenden Hörminderung können Hörgeräte dabei unterstützen, das Sprachverstehen im Alltag zu verbessern.

Typische Symptome einer Lärmschwerhörigkeit

Eine Lärmschwerhörigkeit entwickelt sich häufig schleichend über viele Jahre. Deshalb erkennen Betroffene selbst oft erst spät, dass ihr Hörvermögen nachgelassen hat. Bestimmte Veränderungen im Alltag können auf eine Hörminderung hinweisen.

Sprache klingt zunehmend undeutlich

Betroffene hören Stimmen häufig noch, verstehen aber nicht mehr jedes Wort eindeutig. Dadurch kann der Eindruck entstehen, andere Menschen würden zunehmend undeutlich sprechen oder „nuscheln“.

Gespräche in Gesellschaft werden anstrengend

In ruhiger Umgebung funktioniert eine Unterhaltung möglicherweise noch recht gut. Im Restaurant, bei Familienfeiern, in Besprechungen oder größeren Gruppen wird das Sprachverstehen dagegen schwieriger. Das Gehirn muss mehr Arbeit leisten, um Sprache von den Umgebungsgeräuschen zu unterscheiden.

Fernseher und Radio werden lauter

Oft bemerken Angehörige eine Hörminderung früher als die betroffene Person selbst. Ein typisches Anzeichen kann sein, dass Fernseher oder Radio zunehmend lauter eingestellt werden.

Hohe Stimmen werden schlechter verstanden

Frauen und Kinder können schwieriger zu verstehen sein als Menschen mit tieferen Stimmen. Das liegt daran, dass ihre Stimmen meist höhere Frequenzanteile enthalten.

Natur- und Alltagsgeräusche verschwinden

Auch vertraute Geräusche können nach und nach weniger deutlich wahrgenommen werden. Dazu gehören beispielsweise Vogelstimmen, Blätterrauschen, elektronische Signaltöne oder das Ticken einer Uhr.

Häufiges Nachfragen

Fragen wie „Wie bitte?“, „Was hast du gesagt?“ oder „Kannst du das wiederholen?“ kommen im Alltag zunehmend häufiger vor.

Hören wird anstrengender

Eine unbehandelte Schwerhörigkeit kann dazu führen, dass Gespräche deutlich mehr Konzentration verlangen. Nach längeren Unterhaltungen, Besprechungen oder Familienfeiern fühlen sich manche Betroffene deshalb erschöpft.

Wer solche Veränderungen bei sich feststellt, sollte sein Hörvermögen genauer überprüfen lassen. Wird eine Hörminderung festgestellt, können je nach Ausprägung Hörgeräte dabei unterstützen, Sprache und wichtige Geräusche im Alltag besser wahrzunehmen.

Warum sind Hörgeräte bei Lärmschwerhörigkeit sinnvoll?

Moderne Hörgeräte können die durch eine Lärmschwerhörigkeit geschädigten Sinneszellen im Innenohr nicht reparieren. Sie können jedoch dabei helfen, die noch vorhandene Hörfähigkeit bestmöglich zu nutzen und wichtige Sprachanteile wieder besser wahrzunehmen.

Dafür werden die Hörgeräte individuell auf den persönlichen Hörverlust eingestellt. Ist beispielsweise der Hochtonbereich besonders stark betroffen, muss nicht automatisch das gesamte Frequenzspektrum gleichermaßen verstärkt werden. Stattdessen kann der Hörakustiker unterschiedliche Frequenzbereiche gezielt anpassen.

Darin liegt ein wesentlicher Unterschied zu einfachen Hörverstärkern. Professionell angepasste Hörgeräte berücksichtigen den individuellen Hörverlust und verarbeiten verschiedene Frequenzbereiche entsprechend. Dadurch können zuvor schlecht wahrnehmbare Sprachanteile wieder besser hörbar werden.

FAQ

Eine dauerhafte Schädigung der Sinneszellen im Innenohr lässt sich normalerweise nicht rückgängig machen. Hörgeräte können eine Lärmschwerhörigkeit zwar nicht heilen, aber dabei helfen, die Folgen der Hörminderung im Alltag zu reduzieren und das vorhandene Hörvermögen bestmöglich zu nutzen.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind das individuelle Audiogramm, also die Darstellung des persönlichen Hörvermögens, das Sprachverstehen und die jeweiligen Hörsituationen im Alltag. Deshalb sollte die Auswahl geeigneter Hörgeräte gemeinsam mit einem Hörakustiker erfolgen.
Wenn beide Ohren einen entsprechenden Hörverlust aufweisen, kann eine Versorgung mit zwei Hörgeräten sinnvoll sein. Ob eine beidseitige Versorgung infrage kommt, wird anhand der individuellen Hörmessungen beurteilt.
Grundsätzlich können Hörgeräte auch während der Arbeit getragen werden. Bei gesundheitsgefährdendem Lärm müssen jedoch weiterhin die vorgeschriebenen Arbeitsschutzmaßnahmen eingehalten werden. Ein normales Hörgerät ersetzt keinen erforderlichen Gehörschutz.
Die Eingewöhnungszeit ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche Menschen bemerken bereits nach kurzer Zeit Vorteile, andere benötigen mehrere Wochen, um sich wieder an ein vollständigeres Klangbild zu gewöhnen. Regelmäßiges Tragen und eine gute Nachbetreuung durch den Hörakustiker können die Eingewöhnung unterstützen.
Hörakustiker in Velen

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